20.07.2017

Vertrauen ist der Anfang von allem


Mit diesem Spruch warb die Deutsche Bank vor Jahren in allen Medien - wie man den interpretieren, mißinerpretieren und letztlich verspotten kann und was dabei herausgekommen ist, ist leidlich bekannt. Und genaugenommen war dieser Satz das eigentliche Thema der gestrigen Veranstaltung im Epylog - und deshalb will ich mal die ganzen sachbezogenen Beiträge weglassen (vielleicht irgendwann mal mehr dazu) und mich auf das Thema "Vertrauen" konzentrieren: 



In einem hochemotionalen Redebeitrag sprach Gudrun Struve, Stadt- und Kreisrätin in der CDU-Fraktion, über das "Vertrauen". Über das überaus große Vertrauen, das sie gegenüber dem Landrat Dr. Neth und seiner Politik empfindet und von dem Vertrauen, das sie von den Bürgern gegenüber ihrer Arbeit in den Vertretungen einfordert - und man merkte ihr an, daß dieser Beitrag aus tiefstem Innern kam und absolut aufrichtig war. 


Aber trotzdem: Sind Abgeordnete etwa gewählt, um dem Bürgermeister oder dem Landrat zu vertrauen? 
Eher nicht, denn sie sind gewählt, um den beiden auf die Finger zu schauen! Auch wenn diese Kontrollfunktion in der Regel und  sinnvollerweise auf einer vertrauensvollen und konstruktiven Ebene durchgeführt wird, sind die Kreisräte trotzdem nicht Gefolgsleute des Landrats sondern im Besonderen sein Kontrollorgan! 

Die parlamentarische Kontrolle der "Regierung" ist essentielle Aufgabe jedes demokratischen Parlaments, also auch die des Kreistags des Hohenlohekreises.



Der Kreistag und seine Mitglieder sind von den Bürgern direkt gewählt, der Landrat nicht. Die Kreisräte und Kreisrätinnen sind also diejenigen, die die Interessen der Bürger auch gegen die Interessen der "großen Politik", also der Politik, die noch über dem Landrat kommt und gegen die sich gerade unser Landrat Dr. Neth eben nicht zur Wehr setzen mag oder können will, vertreten muß. Dafür wurden sie gewählt. 
Das zum gestern gerne und häufig benutzten Wort "Demokratie". 

Insofern ist aber das von Ihnen, Frau Struve, geäußerte überaus große Vertrauen nicht unbedingt Ihrer Aufgabe entsprechend. Und Ihr Eindruck, daß man Ihnen nicht mehr vertraut, der mag sich genau daraus ergeben: Daß bei Vielen offenbar der Eindruck entstanden ist, sie übten Ihr Amt möglicherweise nicht so aus, wie es der Bürger erwarten darf -die Lautstärke bei Ihrer Wortmeldung spricht Bände!-, stärkt das Vertrauen in Ihre Arbeit und auch in Ihre Person nicht wirklich.


Sie wurden demokratisch gewählt, hatten also zum Zeitpunkt der Wahl das Vertrauen vieler Bürger. Aber Vertrauen ist nicht statisch, sondern wie ein scheues Reh: ganz schnell verschwunden. Das  Vertrauen muß man sich immer wieder verdienen - und wenn Sie schon selber den Eindruck haben, daß man Ihnen und Ihrer Arbeit nicht mehr vertraut, dann könnte das schon ein Grund zum Nachdenken sein.



Und genauso gilt das auch beim Landrat Dr. Neth: Zwar ist er nicht von den Bürgern gewählt sondern vom Kreistag, aber wenn jemand neu in ein Amt kommt, bringt man diesem Menschen natürlich auch ein gewisses Grundvertrauen entgegen. Und auch dieses Vertrauen kann man verlieren, man kann es aber auch weiter ausbauen. Leider - und das Ergebnis konnte man gestern beobachten - hat es "unser" Landrat geschafft, den ihm gegebenen Vertrauensvorschuß massiv zu zerstören.



Und genau das kam gestern bei der Veranstaltung der stimme im Epylog ganz klar zur Sprache: Die Bürger vertrauen dem Landrat Dr. Neth nicht mehr, gar nicht unbedingt wegen der Schließung des Krankenhauses an sich sondern vor allem wegen seiner (kann man das überhaupt so nennen?) Kommunikation in dieser Sache. Sie fühlen sich nicht mit einbezogen, nicht gefragt, viele fühlen sich sogar hintergangen. 
Und leider hatte der Landrat Dr. Neth auch gestern trotz der Erfahrungen aus der Bürgerveranstaltung keine guten Argumente parat, die sein Kommunikationsverhalten in irgendeiner Form nachvollziehbar machen:



  • Die Bürger bei Elementaren Lebensbedürfnissen - und dazu gehört Krankheit und auch das Sterben sicherlich - mit derselben Empathie zu behandeln wie bei der Diskussion über eine Mülldeponie - das ist erschreckend 
(Einschub: das empfinde ich nicht als Polemik, Herr Heer - schließlich hat man ja für die Bürgerveranstaltung sogar denselben Moderator wie beim Thema Mülldeponie gerufen - nachzulesen in der Stimme. Das Wort Polemik hat für mich auch keinen so negativen Beigeschmack wie offenbar für Sie - dabei ist doch das Schreiben eines schönen polemischen Artikels geradezu eine journalistische Kunstform! )
  • Bei der Behandlung von Elementaren Lebensbedürfnissen schlussendlich doch immer wieder vom Thema Mensch auf das Thema Geld zu kommen - das ist erschreckend
  • Mit den Menschen über diese Elementaren Lebensbedürfnisse überhaupt nicht zu sprechen, mit der fadenscheinigen, aber mantrahaft wiederholten Begründung, daß sich die böse Welt doch sowieso andauernd ändere und dann das, was man heute sagt, morgen über den Haufen geworden sein könnte - das ist erschreckend.
  • Das führt natürlich dazu, daß man den Bürgern weiterhin ohne jegliches sichtbare und nachvollziehbare Zukunftskonzept gegenübertritt - das Konzept könnte ja morgen schon hinfällig sein, dann also lieber gar keines (und dabei hatte mir der Minister Lucha doch noch eigenhändig zugesichert, daß es "Überlegungen im Hohenlohekreis" gebe und daß er diese kenne. Hat der Minister die Personen verwechselt?). Genaugenommen diente ja die Bürgerveranstaltung dazu, die Bürger durch Herrn Schopf (Nichts Böses über ihn: Er war ja nur der Überbringer der schlechten Nachricht seines Dienstherrn) darauf vorbereiten zu lassen, daß die Barrieren für eine irgendwie geartete medizinische Versorgung jenseits von Arztpraxen eigentlich sowieso unüberwindbar sind  - das ist erschreckend.
  • Weiterhin jegliche Verantwortlichkeit für den ganzen Schlamassel weit von sich zu weisen und die Verantwortung bei wechselnden anderen, bei "der hohen Politik" (mehrere Bundes-und Landespolitiker schieben seltsamerweise die Verantwortung auf die Verantwortlichen des Kreises - sehr merkwürdig), bei "medizinischen Entscheidungen" und nicht zuletzt sogar den allgemein widrigen Umständen zu suchen - das ist erschreckend.
  • Ohne jegliche Sensitivität als von außen Kommender uralte Gräben wieder aufzureissen, die man als längst zugeschüttet glaubte - das ist erschreckend. 
  • Gestern einzugestehen, daß man vielleicht mit der Behandlung der Themen "Krankenhaus" und "Neubau Landratsamt" in derselben Sitzung ungeschickt agiert habe und damit seinen Widersachern Vorschub geleistet zu haben - das ist erschreckend

Ganz neu war gestern die Aussage von Dr. Neth, daß die im Laufe der Diskussion immer wieder vorgebrachten ehemaligen Gewinne ja ohnehin nur durch den Gehaltsverzicht der Mitarbeiter zustandekommen wären ... die Schlußfolgerung liegt nahe, daß er  uns damit sagen wollte, daß andernfalls das Thema Krankenhaus Künzelsau sowieso schon lange vor seiner Zeit vom Tisch ... - das erschreckte dann schon fast keinen mehr: Die einen waren empört, die anderen schlicht fassungslos still.


Diese Bilanz der bisher kurzen Amtszeit des Landrats Dr. Neth ist schon außergewöhnlich - und der Verlust des Vertrauensvorschusses ist sehr nachvollziehbar. Ein Landrat, der derart konsequent in alle Fettnäpfchen tritt, die er teils auch noch selber aufgestellt hat, der muß sich darüber, daß er über keinen Rückhalt in der Bevölkerung verfügt, wahrlich nicht wundern.



Wie gesagt: "Vertrauen ist der Anfang von allem" - am Anfang steht Vertrauen, blindes Vertrauen führt aber zur Katastrophe und am Ende kann man über das Wort "Vertrauen" nur noch spotten - dafür steht beispielhaft die Geschichte der Deutschen Bank und ihrer Kunden. 



Ganz kurzes Ergebnis der Veranstaltung: Das Vertrauensverhältnis zwischen Landrat und Bürgern ist massiv gestört. Das ist eine sehr schlimme Situation, die der Landrat Dr. Neth aber selber herbeigeführt hat - und ich weiß beim besten Willen nicht, wie er diese Kuh vom Eis bringen will: Die Aufgabe von Landrat Dr. Neth kann es jetzt (nein, eigentlich nicht erst jetzt, aber die Vergangeheit ist vorbei) nur noch sein, die Initiative zu ergreifen und mit den Menschen (und, nein: das heißt nicht, medial begleitet beim JU-Stammtisch aufzutauchen) ins Gespräch zu kommen, ihre Sorgen zu begreifen, um sich wenigstens das allernötigste Mindestvertrauen wieder zurück zu erarbeiten. Hoffentlich hat er wenigstens das verstanden, ansonsten wird seine Amtszeit mit einem Scherbenhaufen enden.
Zwar hat er mir versprochen, "im Herbst" eine weitere Veranstaltung zum Thema zu machen … aber es gab ja schon viele Versprechungen, man mag ihm - und das aus Erfahrung, nicht aus Vorurteil! - eigentlich nichtmal mehr bei solchen kleinen Aussagen vertrauen - und auch daß ich so mißtrauisch reagiere, ist eigentlich  erschreckend.  
Bürgerschaftliches Engagement gibt es genug! Die Menschen wollen und wollten sich einbringen (so forderte es ja Frau Struve)  - aber Dr. Neth will diese Angebote der Bürgerschaft partout nicht annehmen, obwohl die Bereitschaft der Bürgerschaft zum Einbringen bei über 30 Demonstrationen und bei einigen sonstigen Veranstaltungen immer wieder gezeigt wurde - wie kann man sowas nur übersehen? 


Es ist einfach nur traurig ... 

Es ist auch traurig, wie sehr in der Presse das ganze Thema dahingehend behandelt wird, daß vereinzelte böse Worte 
 (Und noch ein Einschub, speziell für Herrn Heer: Die Bedeutung des von Ihnen sogar im Artikel inkriminierten Worts hinterfotzig sollten Sie einmal nachschlagen: Es bedeutet nämlich, daß sich hinter einem nach außen gezeigten freundlichen Gesicht (ja, genau, da steckt das Wort Gesicht dahinter, aus dem bayrischen) ein weiteres verbirgt, das man nicht sieht, meist eher ein unfreundliches, fratzenhaftes. Und daher war dieses Wort im Zusammenhang absolut zutreffend. Als Journalist sollte man mit Sprache schon spielen können - oder es zumindest anerkennend hinnehmen, wenn mit Sprache gespielt wird.)
gefallen seien und man daher auf die berechtigten Sorgen der Bürger nicht mehr eingehen muß. Die Emotion von Frau Struve wird wohlwollend dargestellt, die Emotion der Bürger wird mit deutlichem Mißfallen kommentiert. Mit der Berichterstattung über das Krankenhaus wird die Stimme ganz sicher keinen Journalistenpreis gewinnen. 

Bei Dürrenmatt heißt es "Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat." Ich hoffe nur, daß es uns allen noch gemeinsam gelingen wird, den Bürgern UND den politisch Verantwortlichen, das zu verhindern.



Aber bei Dürrenmatt steht natürlich auch: "Die schlimmst mögliche Wendung ist nicht voraussehbar. Sie tritt durch Zufall ein." Für den Krankenhausstandort Künzelsau ist die schlimmst mögliche Wendung bereits eingetreten, da kann der Zufall gar nicht mehr eingreifen ....

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